Wenn der Wind stärker wird

  • Posted on
  • Posted in Training

Zur Abwechslung möchte ich Ihnen eine Fabel erzählen.

In einem abgelegenen Bergdorf errichteten die Bewohner auf ihrem Dorfplatz eine Statue zu Ehren ihres Gründervaters. Sie war schlicht, aber bedeutungsvoll. Ein Symbol für ihre Geschichte.

Ein paar Tage nach den Einweihungsfeierlichkeiten kam ein erster Sturm und die Statue fiel um. Die Dorfbewohner bauten sie wieder auf, ein wenig stärker als zuvor und mit besserem Fundament. Sie hielt dem nächsten Sturm stand.

Doch der Wind lernte. Er wurde kräftiger. Beim nächsten Mal fiel die Statue erneut. So ging es viele Jahre. Die Statue fiel nicht um, weil sie schlecht gebaut war, sondern weil der Wind wuchs. Die Dorfbewohner nahmen sich nach jedem Einsturz Zeit. Sie reparierten nicht überstürzt. Sie beobachteten und analysierten. Sie lernten. Und dann bauten sie die Statue minimal stärker als zuvor – nicht höher, nicht imposanter, nur stabiler.

Mit der Zeit veränderte sich etwas: Die Statue wurde nicht nur stabiler, sondern auch klüger gebaut. Sie bekam Verstrebungen, Stützen und bewegliche Teile. Und der Wind? Er kam weiterhin. Aber er zerstörte nicht mehr – er prüfte nur noch.

Unser Körper ist genau so ein Kunstwerk wie die Statue. Nicht perfekt und nicht unzerstörbar, aber der einzige, den wir haben. Er steht auch oft im Wind, bekommt Risse, gibt manchmal nach.

Im Training nennen wir es nicht Sturm und Wiederaufbau, sondern Belastung und Erholung. Wachstum entsteht immer nach dem Sturm. Der Reiz kommt – der Körper reagiert. Ist der Reiz zu gering, braucht es keine Anpassung. Die Statue wird nur stärker, wenn der Wind stärker wird. Unser Körper auch.

BACK TO TOP